Mario Thronicke
From Walls to Bridges

Mit seinem Projekt " From Walls to Bridges" hat er sich das Ziel gesetzt, Menschen einander näher zu bringen und sie in einen künstlerischen Bezug zueinander zu setzen. h7 Er verlegt sein Atelier in die Welt nach draußen und sucht den direkten Kontakt zu Menschen an ihren Arbeitsplätzen oder in öffentlichen Räumen, um sie Teil seines Projektes werden zu lassen. Jede*r ist eingeladen beim entstehen der Arbeiten dabei zu sein und mit ihm ins Gespräch zu kommen. Er sammelt die Silhouetten ihrer Köpfe und überträgt sie mittels Projektion auf vorbereitete Leinwände: Es sind Bilder der Berliner Mauer, von ihm selbst damals live am Originalobjekt gemachte Fotografien die er digital bearbeitet und auf Canvas gedruckt hat. Die Köpfe der Menschen stehen im Zentrum des darauf folgenden Malprozesses in dem eine Art Kaleidoskop der Moleküle entsteht. Auf keinem der Bilder werden Personen h8 zu erkennen sein, ihre Gesichter liegen unter den Malschichten verborgen, individuell aber doch anonym.Ganz am Ende wenn viele Leinwände fertig sind wird er sie aneinandergereiht zeigen als eine Mauer die zu einem Symbol des Zusammenfindens wird statt zu dem Symbol der Trennung das sie war. Virtuell finden damit Menschen verschiedenster Herkunft und Art zusammen, die sich nicht kannten und doch auf diese Art in Beziehung zueinander treten. Mit dieser Aktion möchte er das Bewusstsein dafür schärfen, dass Menschen miteinander verbunden sind. h5 Er hat den Eindruck, dass durch unsere Lebensweise das Gespür dafür zu wenig vorhanden ist. Er glaubt wir Menschen brauchen etwas mehr das Gefühl, füreinander da zu sein, auch über den privaten Bereich hinaus. Möglicherweise ist das gerade jetzt sehr wichtig. Denn ihm scheint, wir leben an der Schwelle zu Entscheidungen die unser aller Zukunft beeinflussen. Das Gefühl, an genau diesen Entscheidungen nicht beteiligt zu werden, macht oft unzufrieden und schürt Angst vor der Zukunft. Trotzdem nehmen wir die Dinge als gegeben hin wie Naturgesetze, verrichten aufgetragene Arbeiten, folgen dem Strom. Wir fühlen uns als ein Teil eines gigantischen Getriebes, ohnmächtig, daraus auszubrechen. h6 Wir lassen uns ablenken mit künstlichen Debatten über Links gegen Rechts, neuerdings Jung gegen Alt und sonstige gesellschaftsspaltende Ideen, mit Entertainment und Konsum, mit Illusionen freier Wahl. Wir leben weiter auf der Basis von Ressourcenverschwendung und Ausbeutung anderer. Niemand weiß einen Ausweg aus dieser Schief- und Notlage. Doch es gibt eine gute Nachricht. Wir müssen nicht auf den Messias warten. Jede*r von uns kann Erlöser*in sein, denn wir alle haben einen Schlüssel zur Lösung. Möglicherweise trägt ihn jede*r in sich, in Form einer Aufgabe, mit der wir auf diese Welt geschickt wurden. h3 Vielleicht könnte das der Sinn des Lebens sein. Bis jetzt war das Ego wichtig. Es war die Vorrausetzung für überleben und Entwicklung. Inzwischen haben wir uns jedoch so prächtig entwickelt, dass es problematisch geworden zu sein scheint. Wir merken es, dass etwas fehlt, um weiterhin zu überleben. Es ist die Nächstenliebe. Sie ist die Essenz zur Heilung der Welt die Schmiere zum Zusammenfinden der Mörtel im Zusammenhalt. Wenn Thronickes Bilder, die so vielschichtig und bunt wie wir Menschen sind, nur einen winzigen Teil zu der Erkenntnis beitragen, dass Brücken besser sind als Mauern, ist für ihn viel erreicht. h2 Derzeit findet die Arbeit an den Werken zu diesem Projekt noch im Atelier statt. Der Corona-Virus hat die Welt im Griff und beschleunigt deren Wandel mit ungewissem Ausgang. Auflösung bekannter Strukturen und sozialer Gefüge, Angst und Misstrauen bis hin zu gegenseitiger überwachung in der Nachbarschaft, Abgabe von eigener Verantwortung an höhere Mächte und sprunghafte Konzentration von Macht in wenigen Händen lassen schon mal ein mulmiges Gefühl aufkommen. Wenn sich aber Wachsamkeit gegenüber Isolation und Hetze, Dialogbereitschaft, Solidarität und Verständnis dafür, dass wir nur im Einklang mit der Natur überleben können, durchsetzen, und sich die neu gewonnene Zeit in kreative, kulturelle Prozesse umwandeln lässt, kann dies auch eine Chanceh1 für die Menschheit sein. Gerade jetzt können wir die Frage nach dem Sinn des Lebens neu stellen. . Thronicke versucht, während dieser paradoxen Situation, die durch das Corona-Virus entstanden ist, sein Projekt neu umzusetzen. Solange die Kontaktbeschränkungen bestehen, arbeitet er an imaginären Köpfen, wodurch unbeabsichtigt ein Zyklus im Zyklus entsteht. Es wäre ihm eine große Ehre und Freude in diesem Jahr beim Luxembourg Art Price dabei zu sein und seine neuen Werke vorzustellen.