Mario Thronicke
self

Mario Thronicke ist Maler und Fotograf. Ende der `60er kam er zur Welt und sah als erstes die grau-grüne Deckenbeleuchtung des Kreiskrankenhauses von Zwickau in Deutschland. Nur wenige Kilometer entfernt kam zur gleichen Zeit Silke Otto zur Welt und gab ihren ersten Schrei von sich. Während sie sich als Heranwachsende auf dem Schlitten an die Weltspitze rodelte und Olympiasiegerin in dieser Disziplin wurde, freundete sich Thronicke mit Stiften und Pinsel an, um sich durch die feinen Nuancen von Grautönen des DDR-Alltags zu malen. Seine damaligen Lehrer nahmen Notiz von seiner künstlerischen Begabung und legten ihm nahe, diese weiter auszubauen in Form einer formalen Ausbildung. Doch es kam erst einmal anders. Als er dreizehn Jahre alt war, machte er mit seinen Eltern rüber, nach West Berlin. Seine alte Welt hinter sich gelassen, sah er die Mauer von der anderen Seite und die Tatsache, dass sie dort bunt war, faszinierte ihn. Er malte die Dinge die ihn in der neuen Welt umgaben. Das Leben war für ihn heiter und vielseitig. So kam zu seinen Werkzeugen noch eine Schere hinzu. Der Wandel spielte in seinem Leben eine große Rolle, also begann er mit der Schere die Köpfe der Menschen zu verwandeln und wurde Friseur. Währenddessen wuchsen zwei Länder zusammen und die gesamte Welt scheinbar gleich mit. Es wurde eine neue Musikrichtung geboren die den Spirit der Erneuerung wiederspiegelte, die elektronische Tanzmusik. Thronicke wurde DJ und verarbeitete die Erlebnisse und Gefühle, die er im Berliner Nachtleben hatte im vier- viertel Takt in seiner Malerei. Er fand einen Platz zum Leben exakt an dem Ort wo die ersten Stehlen der Berliner Mauer errichtet worden waren. Sein Apartment befand sich inmitten eines Idylls im Zentrum der Stadt. Füchse und Reiher sagten sich gut Nacht wo sich Flora und Fauna Lebensraum erobert hatten. Natur und Kultur vereinten sich harmonisch in einer Art Open-Air Galerie, wo Graffitikünstler aus aller Welt residierten und auf den überesten der T eilung Deutschlands kontinuierlich neue Werke präsentierten. An einem Tag im Winter kamen Bagger um die Stelen auszugraben. Fasziniert von diesem Spektakel, fotografierte Thronicke die Szene, wie sie sich entfaltete. Während die Arbeiten auf der geplanten Europacity voranschritten, erhielten die Stelen jede Nacht eine neue Schicht Graffiti. Thronicke hielt den gesamten Prozess der ständigen Erneuerung von Natur, Stadt und Kunst fest. Die Fotografie war für ihn ein neues Medium. Er formte die entstandenen Bilder um, bis sie wie explodierender Beton von innen heraus zu platzten schienen. Für ihn war es eine wie eine faszinierende Notwendigkeit, sie zu verändern, zu zerlegen, zu fragmentieren und neu zusammenzusetzen. Mit dieser für ihn neu entdeckten Form der Darstellung gelang es ihm den Prozess des Vergehens und Entstehens wie ein Konservator anzunähern und den Wandel als solchen einzufrieren. Bis zum heutigen Tag manipuliert er die Bilder mit Photoshop und malt auf die Abzüge. Die so entstehenden Bilder sind Synonym für den Fluss der Zeit, der Entwicklung der Menschheit und hinterfragt kritisch deren Schaffen. Seine Bilder transportieren den Betrachter in eine Zukunft, in der es längst keine Menschen mehr gibt, doch ihre Hinterlassenschaften als letzte Zeitzeugen ineinander diffundieren. Die Welt verändert sich rasend schnell. Als Künstler und Erdenbewohner will Thronicke die gegenwärtige Entwicklung mitgestalten, indem er nach Orten sucht, an denen er sich einmischen kann. Seine Entschlossenheit, den eingeschlagenen Weg weiter zu folgen, wurde bei einem Vortrag, (Der Erweiterte Kunstbegriff und die Soziale Plastik- Identität und Gewissen) des Künstlers Johannes Stüttgen bestätigt. Das überwinden von Mauern bleibt vorerst sein zentrales Thema. Unvorhergesehener Weise in diesem Jahr in etwas abgeänderter Form.